Wissensartikel

Warum visuelle Farbbeurteilung bei Lacken nicht ausreicht
Die Messgeometrie: Der entscheidende Auswahlparameter
Stationäres oder tragbares Gerät: Wann eignet sich welches
Anwendung in der Lackierung: Schritt für Schritt.
3Color Modelle für die Lackindustrie
Häufig gestellte Fragen
Zusammenfassung
- Warum visuelle Farbbeurteilung bei Lacken nicht ausreicht
- Die Messgeometrie: Der entscheidende Auswahlparameter
- Stationäres oder tragbares Gerät: Wann eignet sich welches
- Anwendung in der Lackierung: Schritt für Schritt.
- 3Color Modelle für die Lackindustrie
- Häufig gestellte Fragen
- Zusammenfassung
In der Lack- und Beschichtungsindustrie reicht „annähernd gleich” nicht aus. Eine Farbabweichung von ΔE 1,5 zwischen Originalteil und Reparaturstelle ist unter Tageslicht kaum sichtbar – unter Leuchtstofflampen jedoch sofort erkennbar. Eine Charge Lack, die außerhalb der Toleranz liegt, kann eine gesamte Produktionslinie zum Stillstand bringen.
Ein Spektralphotometer für Lacke löst dieses Problem: Es misst Farbe objektiv, numerisch und reproduzierbar – unabhängig vom Betrachter, der Beleuchtung und den Umgebungsbedingungen. Welches Modell das richtige ist, hängt vom Lacktyp, der Oberfläche und dem konkreten Einsatzbereich ab.
Dieser Ratgeber erklärt die relevanten Messgeometrien, Gerätetypen und Auswahlkriterien speziell für den Lackierbereich.
Warum visuelle Farbbeurteilung bei Lacken nicht ausreicht
Die Farbbeurteilung mit dem Auge ist in industriellen Prozessen aus drei Gründen unzuverlässig:
Metamerie: Zwei Lackproben können unter Tageslicht (D65) identisch wirken und unter Leuchtstofflicht (F2) oder Glühlicht (Normlicht A) deutlich voneinander abweichen. Nur ein Spektralphotometer, das den vollständigen Reflexionsspektrum von 400–700 nm erfasst, kann Metamerie zuverlässig erkennen und quantifizieren.
Effektlacke: Metallic-, Perlglanz- und Mica-Lacke verändern ihre Farbe je nach Betrachtungswinkel. Das menschliche Auge kann dieses Verhalten nicht reproduzierbar quantifizieren.
Dokumentation und Rückverfolgbarkeit: Modernes Qualitätsmanagement erfordert messbare, archivierbare und mit Referenzwerten vergleichbare Daten. CIE L*a*b*-Koordinaten und ΔE-Werte erfüllen diese Anforderung – die visuelle Beurteilung hingegen nicht.
Die Messgeometrie: Der entscheidende Auswahlparameter
Die Messgeometrie bestimmt, wie das Licht auf die Probe trifft und wie das reflektierte Licht vom Sensor erfasst wird. Bei Lacken ist sie der kritischste Parameter bei der Geräteauswahl.
Sphärische Geometrie d/8° – die vielseitigste Option
Das Gerät beleuchtet die Probe von allen Seiten über eine Ulbricht-Kugel. Der Sensor erfasst das reflektierte Licht im 8°-Winkel zur Normalen. Dies ermöglicht die Messung mit Glanzanteil (SCI) – für die „echte” Pigmentfarbe unabhängig von der Oberflächenqualität – sowie ohne Glanzanteil (SCE) – zur Simulation der menschlichen Farbwahrnehmung bei matten Oberflächen.
Empfohlen für:
● Uni-Lacke (einfarbig), matt und seidenmatt
● Qualitätskontrolle in der Produktion
● Farbabgleich in der Lieferkette
● Anwendungen mit unterschiedlichen Oberflächenqualitäten
Geometrie 45°/0° – für die visuelle Wahrnehmung
Das Licht trifft die Probe im 45°-Winkel, der Sensor erfasst unter 0° (oder umgekehrt). Diese Geometrie simuliert die natürlichen Beobachtungsbedingungen des menschlichen Auges ohne Glanzanteil.
Bevorzugt eingesetzt bei:
● Grafik- und Papierindustrie
● Anwendungen, bei denen die Korrelation zur visuellen Wahrnehmung Vorrang hat
● Farbkontrolle ebener, gleichmäßiger Oberflächen
Mehrwinkel-Geometrie – für Effektlacke
Mehrwinkel-Spektralphotometer messen Farbe unter 3, 5 oder mehr Betrachtungswinkeln (z. B. −15°, 25°, 45°, 75°, 110° zur Spiegelrichtung). Sie sind speziell für Metallic-, Perlglanz- und Mica-Lacke entwickelt, deren Farbe sich je nach Winkel deutlich verändert.
Unverzichtbar bei:
● Automotive OEM und Karosserieinstandsetzung
● Lacken mit optischen Spezialeffekten
● Entwicklung neuer Effektlack-Formulierungen
Stationäres oder tragbares Gerät: Wann eignet sich welches
Merkmal Stationär (Tischgerät) Tragbar (Handgerät)
Präzision und Wiederholbarkeit Maximal Sehr gut
Einsatzort Labor, feste Messstation Produktionslinie, Außendienst
Messöffnung 8–30 mm Standard 4–8 mm typisch
Große Proben Optimal Eingeschränkt
Software-Anbindung Vollständig Bluetooth/USB
Ideal für Farbstandards definieren, F&E, Labor-QK Inline-Kontrolle, Lieferantenprüfung, Reparatur
Die Entscheidung ist nicht immer die einzig mögliche: Viele Unternehmen setzen ein stationäres Gerät zur Farbstandard-Definition und tragbare Geräte für die Produktionskontrolle ein – mit regelmäßiger Rekalibrierung auf demselben Muster
Anwendung in der Lackierung: Schritt für Schritt.
Farbabgleich (Color Matching)
Der Standardablauf: Die Referenzprobe – ein Originalteil, ein Farb-Chip, ein freigegebenes Muster – wird gemessen und die L*a*b*-Referenzkoordinaten werden gespeichert. Anschließend wird der neue Lackauftrag auf einem neutralen Untergrund gemessen und der ΔE-Wert zur Referenz berechnet. Liegt der ΔE innerhalb der definierten Toleranz (typisch 0,5–1,0 für Automotive, 1,0–2,0 für Standard-Industrieanwendungen), ist die Charge freigegeben.
Qualitätskontrolle in der Produktion
In der Linie wird jede Probe automatisch mit dem gespeicherten Standard verglichen. Das Ergebnis ist sofort verfügbar: Pass/Fail mit Anzeige des ΔE-Gesamtwerts und der einzelnen Abweichungen auf L*, a*, b*.
Farbrezeptierung und Entwicklung
Im Labor werden die mit dem Spektralphotometer gemessenen Spektraldaten als Eingabe für Farbrezeptiersoftware verwendet, um Pigmentmischrezepturen zu berechnen. Hierfür ist die vollständige Reflexionskurve – nicht nur die L*a*b*-Koordinaten – erforderlich.
3Color Modelle für die Lackindustrie
3Color Neo 9001 – stationäres Spektrophotometer mit sphärischer d/8°-Geometrie, variabler Messöffnung, SCI/SCE-Verwaltung und Kompatibilität mit den gängigen Farbmanagementsoftware-Lösungen. Empfohlen für Qualitätslabore, Wareneingangskontrolle und Farbrezeptierung.
3Color SV-300 – professionelles tragbares Spektrophotometer mit sphärischer Geometrie, Bluetooth-Verbindung und Farb-Display. Ideal für Inline-Qualitätskontrolle in Lackieranlagen, Außeneinsatz und Farbabgleich außerhalb des Labors.
Alle technischen Spezifikationen finden Sie auf den Produktseiten der stationären Spektralphotometer und der tragbaren Spektralphotometer.
Häufig gestellte Fragen
Kann ein Spektralphotometer auch Metallic- und Perlglanzlacke messen? Metallic- und Perlglanzlacke erfordern ein Mehrwinkel-Spektralphotometer(MA), das Farbe unter mehreren Betrachtungswinkeln misst. Standard-Kugelspektralphotometer sind nicht geeignet, um die winkelabhängigen Farbeffekte (Flip) dieser Lacke korrekt zu quantifizieren.
Welche ΔE-Toleranz gilt für Automotive-Lacke? In der Automotive-OEM-Industrie liegt die Toleranz typischerweise bei ΔE < 0,5–1,0 (Formel CIEDE2000). Bei der Karosserieinstandsetzung wird üblicherweise mit ΔE < 1,5 gearbeitet, um eine unter normalen Lichtbedingungen unsichtbare Reparatur zu gewährleisten.
Kann ich dasselbe Spektrophotometer für Lacke und Kunststoffe einsetzen? Ja – ein Spektralphotometer mit sphärischer d/8°-Geometrie eignet sich für die Messung der meisten Festkörpermaterialien: Lacke, Kunststoffe, Papier, Textilien, beschichtete Metalle. Die sphärische Geometrie ist die vielseitigste für Mehrmaterial-Anwendungen.
Was bedeutet Interkalibrierung bei Spektralphotometer? Die Interkalibrierung stellt sicher, dass mehrere Geräte in derselben Qualitätskette auf derselben Probe dasselbe Ergebnis liefern. Sie ist unverzichtbar, wenn im Labor stationäre und in der Produktion tragbare Geräte parallel eingesetzt werden.
Mit welcher Software wird ein Spektralphotometer für Lacke betrieben? Gängige kompatible Farbmanagementsoftware-Lösungen sind SpectraMagic NX (Konica Minolta) und Color iQC (X-Rite). 3Color liefert eigene Software mit jedem Gerät und unterstützt bei der Integration in bestehende Qualitätsprozesse.
Zusammenfassung
Die richtige Wahl des Spektralphotometerfür Lacke hängt von drei Variablen ab: dem Lacktyp (Uni, Metallic, Perlglanz), dem Einsatzkontext (Labor oder Produktion) und dem geforderten Präzisionsniveau. Eine fundierte Entscheidung sichert vergleichbare Daten entlang der gesamten Lieferkette und reduziert Kosten durch Nichtkonformitäten und Nacharbeit deutlich.
Kontaktieren Sie das 3Color-Fachteam für eine individuelle technische Beratung oder entdecken Sie die vollständige Produktrange für die Farbmessung in der Lackindustrie.
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